Dies Sache mit dem Sternchen*

08.08.2017 18:12:07 | Pia Portmann
Mann – Frau: in Stein gemeisselt? Die Vorstellung, dass es nur Menschen der Kategorien Mann und Frau gibt, welche klar voneinander unterschieden werden können, ist unvollständig und schliesst Menschen aus, welche ihr Geschlecht anders leben als von der Gesellschaft vorgegeben. Die SUB will die Lebensrealitäten von allen Studierenden unterstützen: Inklusion und Diversität sind Grundpfeiler einer gesunden Hochschullandschaft.

Aus diesem Grund wurde an der StudentInnenratssitzung vom 26. Mai 2016 die AG "Gendergerechte Sprache in Statuten und Reglementen" gegründet, um die Reglemente der SUB auf binäre Sprache und somit auch Heteronormativität zu überarbeiten. Das bedeutet, dass die Reglemente der SUB auch Personen, die sich ausserhalb des typischen Verständnisses von Mann und Frau identifizieren, sprachlich wie inhaltlich berücksichtigen sollen. Damit sollten insbesondere Transpersonenintersex- oder intergeschlechtliche Menschen und nicht-binäre Personen sichtbar gemacht und vermehrt mitgedacht werden. 

Die AG hat sich im letzten Jahr intensiv mit den Reglementen auseinandergesetzt: Durch die sprachliche Überarbeitung (zum Leitfaden) konnten viele Regelungen sichtbar gemacht werden, welche heteronormativ (Grob: gesellschaftliche Norm, dass es nur zwei Geschlechter gibt und diese einander begehren müssen) und unzeitgemäss waren.

Die Auseinandersetzung mit der Sprache hat der SUB geholfen, vorher unsichtbare Unstimmigkeiten und nicht zeitgemässe Regelungen in Bezug auf Geschlecht, Sexualität, Beziehungsformen und Geschlechtsidentität aufzudecken. Um die Reglemente und Statuten konsequent gendersensibel auszuarbeiten, waren folglich gewisse inhaltliche, politische Fragestellungen unausweichlich: 
 
  • Wie sollen Transpersonen und nicht-binäre Personen in Geschlechterquoten, bzw. Frauenquoten Platz finden? 
  • In Bezug auf gleichgeschlechtliche und ausserehelichen Beziehungen: Wie gehen wir im Rahmenarbeitsvertrag mit Fremdkindadoption und unterschiedlichen Beziehungsformen um? 
  • Ein Transmann ist jemand, dem bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde, der sich jedoch als Mann identifiziert. Er kann also weibliche Geschlechtsorgane haben und somit auch Kinder gebären. Wie nennt man es, wenn ein Transmann schwangerschaftsbedingt Urlaub bekommt?


Zusammen mit dem Transgender Network Switzerland hat die SUB Antworten auf diese und weitere Fragen herausgearbeitet. Am 2. März 17 wurde die parlamentarische Initiative "Gendersensible Sprache mit inhaltlichen Konsequenzen" vom StudentInnenrat angenommen. 

Am 30. Mai 17 konnte ein weiterer wichtiger Schritt gegangen werden: Die neuen, gendergerechten Statuten wurden dem Senat, dem obersten rechtsetzenden Organ der Universität, vorgelegt. Für praktisch alle Senatsmitglieder, darunter die Universitätsleitung und die Dekaninnen* und Dekane*, war es die erste Auseinandersetzung mit einem gendergerechten Reglement. So gab es dann auch einigen Diskussionsbedarf, doch am Ende stand fest: Die ersten gendergerechten Statuten einer Organisation der Uni Bern wurden ohne Gegenstimme angenommen!

Die meisten Reglemente sind zu diesem Zeitpunkt schon überarbeitet und online. Der Rahmenarbeitsvertrag wird auf Neujahr angepasst.

Die SUB geht mit der Zeit: sie hofft, der Vielfalt der Studierenden damit gerecht zu werden. Zusätzlich soll die Überarbeitung der Sprache und Inhalte andere Organisationen und Institutionen inspirieren und bekräftigen, sich ebenfalls auf Reglements- und Vertragsebene mit Inklusion und Diversität auseinanderzusetzen. 






Fragen bitte an Pia Portmann, SUB Vorstand für Gleichstellung.
Falls Sie einen Artikel darüber schreiben möchten, beachten Sie bitte vorab den Mediensprachguide zur Thematik.