Warum ist die Schweiz nicht dabei?

Die Schweiz war bis 2013 Teilnehmerin im Erasmus-Programm und beteiligte sich in Form eines bilateralen Abkommens bis 2014 auch an Erasmus+. Die Probleme begannen mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative. Diese gefährdete die Umsetzung des Kroatien-Protokolls, der Ausweitung der Personenfreizügigkeit auf das neue EU-Land Kroatien. Die EU forderte die Personenfreizügigkeit jedoch als Vorbedingung für die Teilnahme an Erasmus+, somit schied die Schweiz aus dem Erasmus+-Programm aus.

Erasmus+-Aktion der SUB vom 11.4.2017 vor dem Haupteingang der Universität Bern (Foto: Sam von Dach, SUB)

Swiss European Mobility Programme - die Alternative?

Mit dem Ausscheiden aus dem Erasmus+-Programm schuf der Bund das Swiss European Mobility Programme, kurz SEMP. Ziel des Programms war es, die Leistungen, welche zuvor durch Erasmus+ erbracht wurden, durch eine Schweizer Lösung aufzufangen. Nach drei Jahren SEMP mussten die Schweizer Universitäten jedoch leider feststellen, dass das SEMP eine nur teilweise befriedigende Lösung ist: Durch die Übergangslösung sind die Universitäten dazu gezwungen, Verträge, die vorher über Erasmus+ abgewickelt wurden, jeweils bilateral mit den Austauschuniversitäten auszuhandeln. Dies bringt nicht nur einen enorm gesteigerten administrativen Aufwand für die Universitäten mit sich: Einige Universitäten sind nicht bereit, solche bilateralen Verträge auszuhandeln - oder kürzen Austauschkontingente. Der Verband der schweizerischen Universitäten, swissuniversities, fürchtet um Mobilität, Visibilität und Relevanz des Bildungsstandorts Schweiz. Das SEMP stellt also nur eine Scheinlösung dar.
 

Keine Wiederaufnahme der Verhandlungen

Mit der Ratifizierung des Kroatien-Protokolls am 16. Dezember 2016 war der Weg frei für eine Neuverhandlung um das Erasmus+-Programm. Doch nur weil der Weg frei ist, muss er nicht begangen werden. Der Bundesrat sprach sich in seinen Botschaften zwar immer wieder für eine erneute Assoziierung mit Erasmus+ aus, das SBFI lässt diesen Worten jedoch nur sehr zögerlich Taten folgen: Bis 2020 wird nur eine Schweizer Lösung angestrebt. 2020 beginnt die nächste Runde von Erasmus+: Was dann passiert, ist noch offen - ein klares Bekenntnis zu Erasmus+ blieb bisher aus.
 

Horizon 2020 - kein Problem?

Das Zweite europäische Austauschprogramm im Bereich der Hochschulen ist Horizon2020. Hier ist die Schweiz inzwischen Vollmitglied: Seit über zehn Jahren ist die Schweiz teilassoziiert mit dem prestigeträchtigen Abkommen, dass die internationale Forschung stärken soll und bedeutende Forschungsprojekte fördert. 2013 begannen, wie bei Erasmus+, die Verhandlungen zu einer Vollassoziierung - diese Verhandlungen wurden ebenso mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative eingefroren. Als das Kroatien-Protokoll ratifiziert wurde, wurde die Schweiz innerhalb von weniger als einem Jahr Vollmitglied. Dies ist natürlich zu begrüssen, es wirft jedoch die Frage auf, warum der Prozess bei Erasmus+ im Vergleich zu Horizon2020 so viel träger ist.

Quellen:
MEI und Erasmus+: Tagesanzeiger, 11.2.2014
swissuniversities - Plädoyer für eine Reassoziierung
Schweiz ratifiziert Kroatien-Protokoll
Status der Schweiz in Horizon 2020