Forderungen Gleichstellung

Die Gleichstellung der Studierenden an der Uni ist eines der Kernanliegen, für welches sich die SUB auf allen Ebenen einsetzt. Hier findest du nähere Informationen zu den 10 Forderungen der SUB zum Thema Gleichstellung an der Universität.

Sexuelle Belästigung

Die #metoo-Debatte und die aktuellen Ereignisse an der ETH und der Uni Basel haben aufgezeigt, dass sexuelle Belästigung allgegenwärtig ist - auch an der Uni. Laut der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte hat jede zweite Frau* sexuelle Belästigung erlebt. Auch Männer sind von sexueller Belästigung betroffen, wobei dieses Thema nach wie vor tabuisiert wird. Die Umfrage der SUB von 2017 hat ergeben, dass an der Uni Bern jede*r zehnte Studierende Verhalten erlebt hat, welches unter sexuelle Belästigung fällt. Die SUB bekämpft alle Formen der Diskriminierung und setzt sich für den Schutz und die Integrität aller ein. Die individuellen Grenzen sollen eingehalten und respektiert werden.

Was ist sexuelle Belästigung?

Als sexuelle Belästigung gilt eine Verhaltensweise mit sexuellem Bezug, welche von der betroffenen Person als unerwünscht und grenzüberschreitend wahrgenommen wird. Sie kann in Worten, Gesten oder Taten ausgeübt werden. Häufig steckt hinter einer sexuellen Belästigung die Ausübung von Macht und Dominanz. Die sexuelle Ebene bietet sich an, weil die Opfer in diesem Bereich besonders verletzbar sind. Mehr Infos findest du hier.

Was macht die SUB?

Die SUB nimmt jede Meldung ernst und entscheidet im Einzelfall über das weitere Vorgehen. Da wir im Falle von sexueller Belästigung nicht über Beratungskompetenzen verfügen, haben wir eine Triage-Funktion und informieren über die offiziellen Anlaufstellen. Falls die die Betroffenen das wollen, begleiten wir sie dabei. 

Am 25. März organisiert die SUB im Rahmen des nationalen Aktionstags gegen sexuelle Belästigung an Hochschulen eine Veranstaltung zu sexueller Belästigung an der Uni. Nach einem kurzen Input zum Thema findet ein Awareness Workshop statt. Das Awareness-Konzept schärft unser Bewusstsein für gesellschaftliche Machtstrukturen und setzt Grenzüberschreitungen jeder Form – aber insbesondere sexualisierten Übergriffen – konkretes Handeln entgegen. Am Workshop erarbeiten wir ein Awareness-Konzept für das Unifestival 2019. Bereits zum dritten Mal wird AWARENESS am Unifestival umgesetzt.

Wo kann ich hilfe holen

Als Angehörige*r der Uni Bern gibt es im Falle von sexueller Belästigung verschiedene Anlaufstellen. Alle Beratungsstellen bieten kostenlose Beratung und Unterstützung an.

Beratungsstelle der Berner Hochschulen
Die BST ist die externe Anlaufstelle der Universität Bern für Studierende und Mitarbeitende. Die Ansprechpersonen unterstehen einer absoluten Schweigepflicht und leiten weitere Schritte nur ein, wenn ausdrücklich danach gewünscht wird. Die Beratungsstelle informiert über mögliche Vorgehensweisen und begleiten die Gespräche mit Beteiligten. Die Ansprechperson ist Pia Thormann, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,

Universität Bern
Innerhalb der Universität Bern unterliegen Führungspersonen und die offiziellen internen Anlaufstellen der Handlungspflicht. Das heisst, Vorfälle müssen gemeldet werden und  es muss etwas unternommen werden. Für Prävention und Beratungen über das Vorgehen ist unter anderem die Abteilung für die Gleichstellung von Frauen und Männer zuständig.

Weitere wichtige Links
Thema Sexuelle Belästigung an der Uni Bern: http://www.respekt.unibe.ch
Broschüre: "Nein zu sexueller Belästigung in Bildungseinrichtungen"
Kostenloses Online-Erstberatungsangebot für Ratsuchende aus der Deutschschweiz: https://belaestigt.ch

Vertikale Segregation

Was ist vertikale Segregation?

An der Universität Bern zeichnet sich bei der Verteilung der Geschlechteranteile eine vertikale Segregation ab. Mit zunehmendem akademischen Grad ist der Frauen*anteil abnehmend. Während 57% der Studierenden weiblich* sind, sind nur 24% der Professuren von Frauen* besetzt. Ein extremeres Bild zeigt die Vetsuisse Fakultät: 87% der Bachelorstudierenden sind weiblich*, bei den Dozierenden lediglich 27%. Den graduellen Ausstieg von Frauen* im Verlauf der akademischen Stufen und die damit verbundene zunehmende Unterrepräsentation im Wissenschaftssystem wird als Leaky Pipeline bezeichnet. Dieses Phänomen ist nicht nur an der Uni Bern, sondern in der ganzen Schweiz zu beobachten.

Geschlechteranteile an der Uni Bern
Geschlechteranteile an der Uni Bern

Ursachen von vertikaler Segregation

Die Ursachen der Leaky Pipeline sind vielfältig. Die Kultur und Strukturen von universitären Organisationen sind nicht geschlechterneutral und verhindern die Gleichheit der Karrieren von Frauen* und Männern (siehe struktureller Sexismus). Eine wichtige Ursache für die schlechtere Integration und die geringeren Karrierechancen von Frauen* sind Chancenungleichheiten beim Zugang zu Netzwerken. Für den beruflichen Erfolg und die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit ist eine gute Integration in die Scientific Community unerlässlich. Ein grosses wissenschaftliches Netzwerk der Nachwuchskräfte ermöglicht privilegierten Zugang zu wichtigen Informationen sowie den Ausbau von wissenschaftlichen und universitären Machtpositionen. Ausserdem werden Frauen* aufgrund der “Old Boys Networks” weniger gefördert als Männer. Dies beschreibt ein Phänomen in welchem Männer, die sich bereits im Wissenschaftsbetrieb befinden, in erster Linie männlichen Nachwuchs fördern. Durch die Untervertretung von Frauen* in der Wissenschaft gibt es zudem einen Mangel an weiblichen* Vorbildern, die als Orientierungspunkt und Motivationsquelle für Nachwuchsforscherinnen* fungieren können. Gerade in Fragen der Vereinbarkeit spielen weibliche* Vorbilder eine entscheidende Rolle. Das vorherrschende Bild des männlichen Wissenschaftlers, welcher sein ganzes Leben der Wissenschaft widmet und stets anwesend und sichtbar ist, kann durch diese Vorbilder durchbrochen werden.

Folgen von vertikaler Segregation

Die Untervertretung von Frauen* in der Wissenschaft ist Ausdruck von ungleichen Chancen auf dem Karriereweg. Wir wollen echte Chancengleichheit durch den Abbau von strukturellen Hürden. Ausserdem widerspiegelt die Wissenschaft als männlich dominierte Domäne eine einseitige Perspektive auf die Welt. Alle Perspektiven sollen in der Wissensproduktion und Wissensvermittlung berücksichtigt werden. Dafür braucht es eine adäquate Vertretung der Frauen* in der Forschung und Lehre.

Was tun?

Zentral für die nachhaltige Sicherung der Frauen*quote und die Gleichstellung in der Wissenschaft ist Nachwuchsförderung. Die SUB setzt sich mit dem Mentoringprogramm womentoring für die Förderung von Frauen* in der Wissenschaft ein. Masterstudentinnen*, die sich für eine wissenschaftliche Laufbahn interessieren, werden von Mentorinnen* desselben oder eines ähnlichen Fachgebietes während zwei Semestern individuell begleitet.

Mehr Infos zu womentoring findest du unter: http://www.sub.unibe.ch/de/Beratung/Womentoring
Mentoring Medizin M4W von der UNIBE: http://www.medizin.unibe.ch/ueber_uns/gleichstellung/index_ger.html
COMET – Coaching, Mentoring und Training:www.comet.unibe.ch

Horizontale Segregation

Was ist horizontale Segregation?

Horizontale Segregation beschreibt die Ungleichverteilung der Geschlechter auf verschiedene Disziplinen. Über die Hälfte der Studierenden an der Universität Bern sind Frauen*. Innerhalb der verschiedenen Studiengänge herrscht jedoch ein starkes Ungleichgewicht bezüglich der Männer- und Frauen*anteile. Daraus lässt sich ableiten, dass die Studienwahl stark geschlechtsspezifisch geprägt ist.

So sind beispielsweise an der Uni Bern 81% der Studierenden an der Vetsuisse-Fakultät Frauen*, wobei der Frauen*anteil der WISO-Fakultät bei nur 40% liegt. An einzelnen Fächern ist die Diskrepanz noch besser ersichtlich. Am deutlichsten kommt die Kluft zwischen den Geschlechtern bei den sogenannten Exakten Wissenschaften und Naturwissenschaften zum Tragen. So beträgt der Frauen*anteil auf Bachelorstufe im Fach  Informatik nur 16%. Im Gegensatz dazu sind Frauen* in Erziehungswissenschaft mit einem Anteil von 81% viel stärker vertreten als Männer. Die Ungleichverteilungen durch horizontale Segregation an Hochschulen zeigen sich auch auf nationaler und internationaler Ebene in einem ähnlichen Ausmass.

Ursachen von horizontaler Segregation

Die Ursachen für horizontale Segregation sind vielfältig und es existieren verschiedene Theorien und Studien zur Begründung des Phänomens. Einige davon gehen zurück auf die Humankapitaltheorie von Becker (1975), die besagt, dass die Studienfachwahl primär von den zu erwartenden Arbeitsmarktchancen nach Studienabschluss abhängen. Frauen* würden demnach vermehrt Berufe wählen, die beispielsweise mit familienbedingten Erwerbsunterbruch vereinbar sind und gute Wiedereinstiegsmöglichkeiten bieten.

Nach Akerlof (1997) erhöhen sich die sozialen Kosten der sozialen Distanz zwischen dem Herkunftsmilieu und dem durch die Bildungsentscheidung neuen sozialen Milieu. Die Entscheidung von Frauen* zugunsten männlich dominierter Studienfächer könnte für sie mit höheren sozialen Kosten verbunden sein. Durch die Bildungsexpansion gelangen vermehrt Individuen aus bildungsfernen Herkunftsfamilien an die Universitäten. Unterschiedliche Bildungsaspirationen, sowie geringere Förderung können die horizontale Segregation begünstigen.

Weitere Ansätze sehen in der Sozialisation die Ursache für die geschlechterspezifische Präferenz von Studienfächern. Soziale, ökonomische, politische und kulturelle Kontexte sowie vorherrschende gesellschaftliche Normen und Strukturen prägen die Resultate individueller Entscheidungen wie die Studienwahl. Geschlechterstereotypen und traditionelle Rollenbilder beeinflussen die horizontale Segregation massgeblich und haben einen grossen Einfluss auf die Gesellschaft. Stereotypen sind simplifizierte Vorstellungen über Menschen, die aufgrund von Merkmalen bestimmten Gruppen zugeordnet und mit gewissen Eigenschaften verknüpft werden. Stereotypen dienen der Vereinfachung und Orientierung in einer komplexen, sich wandelnden Welt. Sie tragen jedoch zur Festigung und Reproduktion von dominanten gesellschaftlich-kulturellen Wertungen bei, die mit Privilegien und Benachteiligungen verbunden sind.

Folgen von horizontaler Segregation

Wenn Frauen* und Männer unterschiedlich stark in verschiedenen Studiengängen vertreten sind, werden bestimmte Fächer vom jeweiligen Geschlecht dominiert. Die Konzentration von Frauen* bzw. Männern in bestimmten Studiengängen hat negative Konsequenzen im Hinblick auf die Chancengleichheit und fördert Benachteiligungen und Ungleichheiten in verschiedensten Formen (z.B. in Form von Lohnungleichheit, vertikaler Segregation etc.) Sie schränkt somit die echte Wahlfreiheit bezüglich eines Studiengangs ein und bestehende Geschlechterverhältnisse werden reproduziert.

Was tun?

Die Uni Bern setzt sich mit Aktivitäten wie dem Nationalen Zukunftstag, dem Schnuppertag für Mittelschülerinnen* dafür ein, Stereotype aufzubrechen und die horizontale Segregation abzuschwächen. Doch die alleinige Sensibilisierung der jungen Menschen in Bezug auf die Problematik reicht nicht aus. Horizontale Segregation betrifft nicht allein junge Menschen bei der Studien- oder Berufswahl. Das Aufbrechen von gesellschaftlichen Strukturen und das Hinterfragen von gängigen Stereotypen sind ebenso wichtig. Um der horizontalen Segregation entgegenzuwirken bedarf es stärkerer Sensibilisierung der Öffentlichkeit von Seiten des Bundes, der Kantone, der Hochschulen und Studierendenschaften.

Vereinbarkeit

Die Vereinbarkeit von Studium, Job und Familie ist unerlässlich für die Chancengleichheit in der Bildung. Ab der Geburt eines Kindes kümmert sich das Elternteil vermehrt um die Erziehung des Kindes, was eine Verzögerung oder allenfalls den Abbruch des Studiums zur Folge haben kann. Studierende Eltern erleben durch die strenge Strukturierung des Studiums zusätzliche Hindernisse für die Vereinbarkeit von Familie und das Studium. Diese Benachteiligung betrifft insbesondere Frauen*, welche nach wie vor überwiegend die Erziehungsaufgaben übernehmen.

Die SUB setzt sich für eine verbesserte Vereinbarkeit von Studium und Familie ein. Es braucht flexiblere Möglichkeiten zu Studieren, Kulanz bei Abwesenheit von studierenden Eltern und eine ausgebaute Infrastruktur an der Uni.

Rechtliche Grundlagen

Artikel 16 im Reglement für Gleichstellung von Frauen und Männern der Universität Bern regelt den Umgang mit (werdenden) studierenden Eltern. Wenn du Probleme mit Anwesenheitspflicht, Teilnahme an Prüfungen oder anderen Anliegen hast, kannst du dich bei den verantwortlichen Dozierenden auf diesen Artikel beziehen.

Artikel 16 des Reglements für Gleichstellung
Artikel 16 des Reglements für Gleichstellung

Kinderbetreuung

Die Stiftung Kinderbetreuungsangebot Hochschulraum Bern KIHOB fördert und sichert die familienergänzende Betreuung und Begleitung von Kindern der Angehörigen der Universität Bern und der PHBern und weiterer Personen aus dem hochschulnahen Umfeld: https://www.kihob.ch

Infrastruktur

Die Roadmap bietet eine Zusammenstellung aller familienfreundlichen Orte der Universität Bern, inklusive Still- und Wickelmöglichkeiten. 

Kinderstühle für Kleinkinder: Im SUB-Hüsli, in der Mensa Gesellschaftsstrasse, Mensa und Cafeteria vonRoll, UNIESS Bistrot Bar Lounge und in der Mensa Unitobler sind Tripp Trapps für Kleinkinder vorhanden. 

Eltern-Kind Räume: Es gibt bereits im vonRoll (Raum B002), Hauptgebäude (Raum 012) und in der Mittelstrasse (Raum -111) Eltern-Kind Räume, welche als Arbeits- und Spielraum bei Betreuungsengpässen, als Besprechungszimmer oder als Ruheraum dienen. Diese sind für Studierende und Mitarbeitende der PHBern und der Universität Bern sowie für Besucher*innen zugänglich. 

Stillen und Abpumpen von Milch: Für das Stillen und Abpumpen von Milch gibt es Räume im vonRoll Gebäude (Raum A015), Unitobler (Raum D411, inkl. Kühlschrank) und in der GIUB (Raum 306). In den Gebäuden Unitobler, Uni S, Uni Hauptgebäude, Uni H6, ExWi, Bühlplatzareal (Freiestr. 3) und Uni Engehalde in den jeweiligen Sanitätsräumen. Im Inselareal: IFIK, MEM 

Wickeltische: Wickeltische sind auf allen rollstuhlfreundlichen Toiletten vorhanden sowie in folgenden Räumen: Uni S (Im Cubus der Eingangshalle WC-D), Unitobler: (Raum D411 oder WC 1. UG), H6: (Sanitätszimmer im 1. UG) und  ExWi (Sanitätszimmer im EG). 

SUB Kiste: Im SUB-Hüsli (Innenhof Unitobler) und im Foyer der UniS kannst du die materielle SUB Kiste ausleihen. Sie enthält Spielsachen und eine Krabbeldecke und ist während der Öffnungszeiten der SUB im Sekretariat erhältlich.

Finanzielle Unterstützung

Der Sozialfonds der SUB steht dir als SUB-Mitglied mit massiven finanziellen Schwierigkeiten zur Seite. Zur Überbrückung der dringendsten Geldprobleme kann die Sozialfondskommission einen Betrag von bis zu 5000.-Fr. in Form eines Unterstützungsbeitrags  oder Darlehens sprechen. Die Darlehen sind grundsätzlich zinslos. Alle Infos zum Sozialfonds findest du hier.
Weitere Informationen zu finanzieller Unterstützung findest du hier.

Hier findest du Unterstützung

Kennst du schon die SUB KiStE – Kind, Studium, Elternschaft? Die SUB KiStE ist das Netzwerk für studierende Eltern oder jene, die es werden (wollen). Einmal pro Semester trifft sich das Elternnetzwerk um sich zu vernetzen und über Tipps und Tricks auszutauschen. Am nächsten Treffen der SUB KiStE am 30. April werden wir gemeinsam Forderungen für den Frauen*streik sammeln. 

Mehr Infos zur SUB KiStE und allgemein zur Vereinbarkeit von Studium und Familie findest du hier.
Alle Infos zur Vereinbarkeit an der Uni Bern findest du hier.

Struktureller Sexismus

Was ist struktureller Sexismus?

Der Begriff Sexismus benennt Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts – also Ungleichbehandlung, Benachteiligung oder Abwertung und die dahinterstehende Ideologie. Sexismus existiert sowohl auf der interaktionellen Ebene (zwischen Personen), als auch auf der strukturellen Ebene (Strukturen in unserer Gesellschaft; zwischen Person und Institution/Gesellschaft). Sexismus ist institutionell verankert und widerspiegelt gesellschaftliche Machtverhältnisse. 

Struktureller Sexismus an Hochschulen bedeutet, dass Frauen* aufgrund ihres Geschlechts durch die Strukturen, nach denen die Hochschule funktioniert und organisiert ist, diskriminiert, benachteiligt, abgewertet werden.

Wie zeigt sich struktureller Sexismus an Hochschulen? Ein Beispiel:

Obschon der Frauen*anteil bei den Studierenden stetig zugenommen hat, ist eine entsprechende Entwicklung auf höheren Ebenen bisher ausgeblieben (siehe vertikale Segregation). Die Untervertretung der Frauen* im Lehrbetrieb der Universität ist das Resultat einer lange von Männern normierten und dominierten Wissenschaft. Die Argumentation, dass Frauen* einfach nicht wollen, oder dass es einfach keine Frauen* für diese Stellen gibt, ist sexistisch und verfehlt. Es bestehen zahlreiche Barrieren für Frauen*, die eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen wollen: nicht nur struktureller Art durch die Mehrfachbelastung durch Beruf, Kinderbetreuung und Haushalt, sondern auch durch fehlendes gesellschaftliches Selbstverständnis im Umgang mit Wissenschaftlerinnen* und fehlenden weiblichen* Vorbildern. 

Junge Frauen* werden in unserer Gesellschaft einseitig mit dem Problem konfrontiert, Familie und Beruf vereinen zu müssen. Karrierephase und Familienphase finden für Frauen* oftmals zum selben Zeitpunkt statt. Dies führt dazu, dass schon junge Studentinnen* der wissenschaftlichen Karriere ambivalenter begegnen. Diese Hindernisse werden durch die Organisationsformen und Leistungserwartungen der Universitäten weiter verschärft. Mangelnde Angebote für die Kinderbetreuung, diskriminierende Mentalitäten, wenig Teilzeitangebote und eine steile Hierarchie verschlechtern die Chancen von Frauen*, Wissenschaft und Beruf erfolgreich auszuüben. 

Gesellschaftliche Strukturen und die Organisationsform der Wissenschaft potenzieren sich gegenseitig. Wissenschaftlerinnen*, die aus strukturellen Gründen tendenziell weniger kompetitiv sind als Wissenschaftler*, können sich weniger profilieren und verlieren dadurch an Wettbewerbsfähigkeit. 

Frauen*förderung ist deshalb ein irreführender Begriff, da es nicht darum geht, Frauen* als Wissenschaftlerinnen* zu fördern, sondern Wissenschaft und Forschungsförderung so zu organisieren, dass sie Frauen* nicht von der wissenschaftlichen Berufstätigkeit ausschliessen.

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